Fische

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Einleitung

Fische, wasserlebende Wirbeltiere, die als Atmungsorgane Kiemen besitzen, deren Gliedmaßen (soweit vorhanden) zu Flossen umgewandelt sind und deren Körper zumeist mit charakteristischen Schuppen bedeckt ist.

Im Gegensatz zu anderen Tiergruppen sind Fische so vielfältig, dass man sie schwer anhand eines nur für Fische charakteristischen Merkmals identifizieren kann (wie beispielsweise Säugetiere durch Milchdrüsen und Haare gekennzeichnet sind). In der Regel versteht man unter Fischen die große Gruppe der Knochenfische, die Knorpelfische (Haie, Rochen und Chimären) sowie die auch als Fischartige bezeichneten kieferlosen Wirbeltiere (Neunaugen und Inger).

Alter und Vielfalt

Die ursprünglichsten Fische waren wohl kieferlose Formen, die sich aus Vorfahren entwickelten, die dem Lanzettfischchen ähnelten. Die ältesten bekannten Fische mit Kiefern sind 530 Millionen Jahre alt; sie stammen aus südchinesischen Sedimenten des unteren Kambriums. Diese frühen Formen waren nur wenige Zentimeter lang. Fische wurden während des Devons, dem so genannten „Zeitalter der Fische” vor 350 bis 400 Millionen Jahren, die dominierenden Lebensformen in Meeres- und Süßwasserlebensräumen. Die Hauptlinien der Fische, darunter Haie, Quastenflosser und andere Knochenfische, erschienen im letzten Abschnitt dieses Zeitalters. Fische machen heute mehr als die Hälfte der bekannten Wirbeltierarten aus. Man kennt etwa 25 000 lebende Arten – etwa so viele, wie alle Arten von Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugetieren zusammen ausmachen –, und in den noch immer relativ wenig erforschten Weltmeeren werden ständig neue Fischarten entdeckt.

Körperbau

Fische haben im Allgemeinen eine etwa torpedoförmige Gestalt mit seitlich leicht abgeplattetem Körper, der zum Schwanz hin spitzer zuläuft als am Kopf. Grundlegendes Merkmal ist die fortlaufende Reihe von Wirbeln und segmentierten Muskeln, die es dem Fisch ermöglichen, sich durch Seitwärtsbewegungen des Körpers fortzubewegen. Im Normalfall trägt der Körper eine Reihe von Flossen: durch Knochenstrahlen oder Stacheln gestützte Membranen, die zum Antrieb oder als Steuer dienen. Entlang der Mittellinie des Rückens können eine oder mehrere Rückenflossen ansetzen. Am Körperende sitzt eine Schwanzflosse; sie ist für die meisten Arten das hauptsächliche Antriebsorgan. Eine oder mehrere Afterflossen befinden sich auf der Mittellinie der Bauchseite zwischen After und Schwanz. Zwei Paar seitliche Flossen, die den Extremitäten der übrigen Wirbeltiere entsprechen (siehe Homologie), sind einerseits die Brustflossen, in der Regel an der Seite hinter den Kiemenöffnungen gelegen, und andererseits die Bauchflossen am Bauch zwischen Kopf und After.

Hinsichtlich Gestalt und anatomischen Einzelheiten der Fische herrscht je nach Lebensweise große Vielfalt; die Formen reichen von den schlangengleichen Aalen bis zu kugelrunden Kugelfischen oder den stark abgeflachten Plattfischen. Die Flossen sind oft beträchtlich abgewandelt oder fehlen ganz. Bestimmten Kiemenschlitzaalen fehlen die meisten der Merkmale, an denen man Fische normalerweise erkennt, darunter Kiemen, Flossen und Schuppen; sie können sogar überwiegend an Land leben. Etwa 50 Knochenfischarten besitzen keine Augen.

Die verschiedenen Fischarten zeigen zudem eine extreme Größenvielfalt. Eine erst in neuerer Zeit entdeckte Grundelart aus dem Indischen Ozean wird nur zehn Millimeter lang, während der Walhai eine Länge von 15 Metern und ein Gewicht von etwa 20 Tonnen erreichen kann. Auch die Färbungen der Fische sind äußerst variabel; sie zeichnen sich durch ein weites Spektrum an Farbtönen und Mustern aus. In der Oberhaut des Körpers liegen Pigmentzellen, die den Fischen ihre Farbe verleihen. Im Allgemeinen ist der Bauch heller gefärbt als der Rücken, im Wasser erscheint der Fisch jedoch gleichförmig gefärbt, weil das Licht ausschließlich von oben kommt (siehe Gegenschattierung). Eine Reihe von tropischen Fischen, allen voran die Schmetterlingsfische (siehe Knochenzüngler), sind überaus farbenprächtig. Ihre Färbung könnte der Erkennung von Artgenossen dienen oder – im Fall giftiger Arten – eine Warnung für mögliche Feinde sein. Viele Fische sind in der Lage, ihre Farbe deutlich zu ändern, um optisch mit ihrer Umgebung zu verschmelzen. Bei einem Plattfisch wurde beobachtet, wie er seine Farbe so änderte, dass sie einem Schachbrett entsprach, das auf dem Boden des Aquariums lag.

Zahlreiche Fische weisen eine spezialisierte Körperform oder spezielle Organe auf, die ihnen bei der Jagd oder Nahrungssuche dienlich sind. Zu solchen Fischen gehören Laternenfische und andere Tiefseeformen, die mit Hilfe von Leuchtorganen ihre Beutetiere anlocken oder sichtbar machen. Anglerfische (siehe Armflosser) liegen am Meeresboden und präsentieren einen kleinen wurmähnlichen Fleischknoten am Ende eines langen Stachels als Köder für andere Fische, die sie dann blitzschnell erbeuten.

Schuppen

Der Körper fast aller Fischarten ist mit einer Schicht aus Schuppen bedeckt, meist knöchernen oder hornigen Platten, die in überlappenden Reihen angeordnet sind, wobei das freie Ende einer Schuppe das Vorderende der dahinter liegenden Schuppe überdeckt. In der Regel sind sie von einer dünnen Epidermis (einem Deckepithel der Körperoberfläche) überzogen. In der Epidermis befinden sich Zellen, die einen glitschigen Schleim absondern; dieser hüllt den gesamten Körper ein.

Bisweilen hat man die Fische anhand der Form und Merkmale ihrer Schuppen klassifiziert. Die wichtigsten Schuppentypen sind die rautenförmigen Schmelz- oder Ganoidschuppen, die mit einer zahnschmelzartigen Schicht überzogen sind, die fast runden, glattrandigen Rund- oder Cycloidschuppen und die ebenfalls runden Kamm- oder Ctenoidschuppen, die gesägte oder kammartige Hinterränder haben. Knorpelfische haben Placoidschuppen aus Zahnbein (Dentin). Andere, wie die Aale, besitzen nur winzige Schuppen, wieder anderen, etwa den Welsen, fehlen sie fast völlig.

Skelett

Die schuppige Haut, die den Körper der Fische umgibt, stellt ein Hautskelett dar. Bei den ersten Wirbeltieren überhaupt, den kieferlosen Ostracodermata des oberen Kambriums, war es das bedeutendste Stützgerüst; es bestand aus Schuppen und massiven Knochenplatten, welche die Bewegungsfreiheit deutlich eingeschränkt haben dürften. Dieser Hautknochenpanzer wurde in der weiteren Evolution der Fische (und damit aller Wirbeltiere) zurückgebildet, während das innere Skelett, vor allem die Wirbelsäule, in den Vordergrund trat.

Bei den vermutlichen Vorfahren aller heutigen Fische aus dem Silur war die Wirbelsäule noch aus knorpeligem Gewebe, das später aber zunehmend von Knochen verdrängt wurde. Die ersten Knochenfische besaßen schon ein größtenteils verknöchertes Skelett; die heutigen Störe und Flösselhechte haben als Knochenfische sekundär wieder ein fast reines Knorpelskelett gebildet. Das Knochengerüst der meisten heute lebenden Fische besteht aus einem Schädel, der mit Zähnen besetzte Kiefer enthält, einer Wirbelsäule, Rippen, einem einfachen Schulter- und Beckengürtel sowie einer Reihe von Knochen zwischen den Wirbeln, welche die Flossen stützen. Viele höhere Fische besitzen als zusätzliche Skelettelemente Gräten, die Rippen ähneln, jedoch in der Regel keine Verbindung zur Wirbelsäule haben. Sie entstehen in den Muskelscheidewänden der seitlichen Rumpfmuskulatur durch direkte Verknöcherung.

Innere Organe

Das Verdauungssystem eines Fisches besteht im Allgemeinen aus dem Maul mit mehreren Reihen scharfer, mahlender oder bürstenartiger Zähne, einem Schlund, einer Speiseröhre, einem Magen und einem Darm, der in einem After endet. Die verschiedenen Organe des Verdauungskanals sind nicht bei allen Arten deutlich voneinander abgegrenzt. Alle Arten besitzen jedoch eine Bauchspeicheldrüse und eine Leber.

Der Atmungsapparat der Fische mit Kiefern besteht aus einer Reihe von Schlitzen, den Kiemenspalten, die sich vom Schlund am Hinterende der Kehle in die Kiemenkammern beiderseits des Hinterkopfes öffnen. Diese Kammern können zum umgebenden Wasser hin offen, aber auch durch knöcherne Kiemendeckel bedeckt sein. Im Inneren der Kiemenkammer und in den Kiemenspalten liegen die Kiemen selbst; sie haben die Form dünner Blättchen oder Fäden, durch die das Blut zirkuliert. Wenn der Fisch Wasser aufnimmt und dieses durch die Kiemen ausstößt, geht im Wasser gelöster Sauerstoff durch die dünnen Kiemenmembranen ins Blut über, und Kohlendioxid gelangt als Abfallprodukt vom Blut ins Wasser. Einige wenige Arten, wie die Lungenfische, können auch mittels einer gut ausgebildeten Lunge atmosphärische Luft atmen.

Die meisten Knochenfische besitzen ein Organ zur Steuerung des Auftriebs. Diese als Schwimmblase bezeichnete Kammer lässt sich stammesgeschichtlich von der Lunge der frühesten Formen ableiten, die ihrerseits aus einem Anhangsorgan des Darmes entstanden ist. Sie ist mit Sauerstoff und Stickstoff aus dem Blut angefüllt. Ihre Hauptfunktion besteht darin, den Fisch an den unterschiedlichen Wasserdruck in verschiedenen Tiefen anzupassen, indem der Gasdruck in der Schwimmblase gesteigert oder gesenkt wird. So hat das Tier weder einen positiven noch einen negativen Auftrieb und kann mühelos in der gleichen Tiefe bleiben. Das Blutkreislaufsystem der meisten Fische ist einfach und besteht aus einem zweikammerigen Herz, welches das Blut nach vorn durch die Kiemen pumpt, dann zum Kopf und von dort über eine große Arterie, die unter der Wirbelsäule liegt, zurück in den Körper. Die Zirkulationsrate von Fischen ist niedriger als bei anderen Wirbeltieren.

Muskulatur

Die Hauptmuskeln im Körper eines Fisches sitzen seitlich entlang des Rumpfes und des Schwanzes. Die größere Muskelmasse liegt auf dem Rücken an jeder Seite der Wirbelsäule, die kleinere darunter. Jede Muskelmasse besteht aus einer Reihe ineinander verzahnter Segmente. Beim normalen Schwimmen versetzt die links und rechts abwechselnde, aufeinander folgende Kontraktion der Muskelsegmente von vorne nach hinten die Schwanzflosse in eine Wellenbewegung. Kleine Muskeln steuern die Bewegungen von Mund, Kiemen, Flossen und Augen. Einige wenige Fische, wie etwa die Aale, schwimmen durch Schlängelbewegungen ihres Körpers. Bestimmte andere Arten, darunter die Kofferfische, treiben sich allein durch die Bewegung ihrer Flossen an, ohne dabei den Körper zu bewegen.

Nervensystem

Das Zentralnervensystem der meisten Fische besteht aus einem Rückenmark und einem Gehirn, das aus einem relativ großen Kleinhirn, einem Paar Sehzentren (Lobus opticus), einem vergleichsweise kleinen Großhirn und einem Nachhirn (verlängertem Mark) besteht. Form und Größe der Teile des Gehirns unterscheiden sich bei verschiedenen Arten deutlich. Die Augen der Fische weisen fast kugelige Linsen und eine abgeflachte Hornhaut auf. Um auf unterschiedliche Entfernungen scharf zu stellen, wird die gesamte Linse des Auges von der Netzhaut weg oder zu ihr hin bewegt. Bei einigen Höhlenfischen (siehe Höhlentiere), die in völliger Dunkelheit leben, sind die Augen reduziert oder fehlen vollkommen. Fische riechen mittels eines Paares doppelter Nasenöffnungen, die in eine Riechgrube führen. Viele Fische nehmen chemische Reize auch über Geschmacksorgane in der Haut oder über Tentakel wahr, die man als Barteln bezeichnet und die um das Maul herum oder an anderen Teilen des Körpers sitzen.

Fische hören mittels äußerer Trommelfelle. Schallschwingungen werden durch die Knochen des Schädels ins Innenohr übertragen, das drei halbkreisförmige Kanäle enthält. Dieses Innenohr fungiert als Gleichgewichtsorgan wie auch als Hörorgan. Außerdem sind Fische mit einem einzigartigen Sinnesorgan ausgestattet, der so genannten Seitenlinie. Sie besteht aus Reihen von Sinnesknospen, die an der Körperoberfläche oder in Kanälen in der Haut liegen. Diese verlaufen entlang den beiden Körperseiten und am Kopf und stehen über kleine Poren mit dem umgebenden Wasser in Verbindung. Die Hauptfunktion des Seitenlinienorgans ist die Wahrnehmung von Schwingungen ausgesprochen niedriger Frequenz, bei einigen Arten kann es jedoch auch schwache elektrische Felder wahrnehmen. An Regenbogenforellen wurde Schmerzempfinden bei Fischen nachgewiesen. Diese Fische haben am Kopf Nozizeptoren (Schmerzsensoren), die etwa als Folge einer Verletzung durch Angelhaken Schmerzreaktionen auslösen.

Fortpflanzung

Fische produzieren Nachkommen auf verschiedene Weise. Die Geschlechter sind bei den meisten Arten getrennt, doch einige Arten sind Zwitter, d. h., die Individuen entwickeln sowohl Eierstöcke als auch Hoden – entweder in verschiedenen Lebensstadien oder gleichzeitig. Manche Arten von Anglerfischen zeigen einen starken Sexualdimorphismus; das zwergenhafte Männchen verwächst hierbei dauerhaft mit dem Körper des Weibchens und erhält Nährstoffe aus dem Blutkreislauf des Weibchens.

Ovipare Fische legen Eier, die außerhalb des Körpers der Weibchen befruchtet werden. Bei solchen Arten entwickeln sich auch die Jungen außerhalb des Körpers. Die Laichzeit wird oft durch die Wassertemperatur kontrolliert, aber auch durch Sexualhormone. Arten, die ihren Laich im offenen Wasser verstreuen, legen oft sehr große Mengen an Eiern. Ein einzelnes Dorschweibchen z. B. kann bis zu sieben Millionen Eier produzieren. Ei- und Samenausstoß müssen zeitlich gut aufeinander abgestimmt sein; findet Letzterer deutlich vor der Eiablage statt, so werden die mikroskopisch kleinen Spermien im Wasser schnell verdriftet. Zur Koordination haben einige Arten, wie beispielsweise Stichlinge, komplexe Balzrituale entwickelt. Die Männchen von Seepferdchen tragen die Eier bis zum Schlüpfen der Jungen in einer Bruttasche. Elterliche Fürsorge nach dem Schlüpfen ist oft gar nicht, bei einigen Gruppen aber auch sehr hoch entwickelt; oft verteidigen die Eltern das Nest oder Revier. Beim Schlammfisch und einigen Afrika-Buntbarschen suchen die Jungen bei Bedrohung durch Feinde Schutz im Maul eines Elterntieres (so genannte Maulbrüter).

Bei viviparen Fischen findet eine innere Befruchtung statt, die Weibchen bringen lebende Junge in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium zur Welt. Das Lebendgebären hat sich mehrere Male bei Fischen entwickelt, etwa bei Haien, Quastenflossern und Aquarienfischen wie dem Guppy oder dem Black Molly. Die Embryonen erhalten auf vielfältige Weise Nährstoffe und können vor der Geburt um das Tausendfache an Größe zunehmen. Manche Arten zeichnen sich auch durch Ovoviviparie aus: Ihre Jungen schlüpfen innerhalb des Eileiters und werden somit lebend geboren.

Ökologie

Fische bewohnen fast alle aquatischen Lebensräume auf der Erde. Einige Arten kommen im höchstgelegenen See der Erde vor, im südamerikanischen Titicacasee (3 810 Meter über dem Meeresspiegel); andere wurden am Grund des tiefsten Sees, des russischen Baikalsees (1 620 Meter tief), nachgewiesen und sogar in 7 000 Meter Meerestiefe. Ein Zahnkärpfling in einer heißen Quelle in Mexiko erträgt Temperaturen bis 45 °C, während die antarktischen Eisfische bei Temperaturen von ungefähr -2 °C leben. Aufgrund seines hohen Salzgehalts gefriert das Wasser nicht bei dieser Temperatur; auch der Fisch gefriert nicht, weil sein Blut eine Art biologisches Gefrierschutzmittel enthält. Viele Fische leben im Süßwasser, wo sie Anpassungen an den osmotischen Druck auf ihre Zellen entwickeln mussten (siehe Osmoregulation); ein Zahnkärpfling auf der karibischen Insel Hispaniola toleriert dagegen einen viermal so hohen Salzgehalt wie den des Meeres. Höhlenfische verbringen ihr Leben unter Umständen in völliger Dunkelheit, während in Wüstensümpfen lebende Fische intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt sind. Eine Gruppe einjähriger Zahnkärpflinge aus Südamerika überlebt periodische Austrocknung, indem die Eier während der Trockenzeiten eine Entwicklungspause einlegen; erst mit Beginn der nächsten Regenzeit entwickeln sie sich weiter, und die Jungen schlüpfen. Tropische Schlammspringer können sich sogar mehrere Stunden bis Tage völlig außerhalb des Wassers aufhalten.

Die größte Zahl mariner Arten findet sich in tropischen Meeren, vor allem in der Nähe von Korallenriffen. Die größte Vielfalt an Süßwasserarten, die insgesamt etwa ein Viertel aller Fischarten ausmachen, kommt in den großen Seen Afrikas und den Flüssen der tropischen Regenwälder vor, insbesondere im Amazonasbecken in Südamerika. In nährstoffreichen Gewässern bilden Fische wie Heringe, Makrelen oder Barsche große Schwärme und erreichen auf diese Weise einen wirkungsvollen Schutz vor Räubern. Untersuchungen zeigen, dass die unüberschaubare Zahl an Individuen und deren Fähigkeit zu blitzschnellen, koordinierten Richtungsänderungen die Konzentration des Fressfeindes auf einen einzelnen Fisch stark erschwert. Auch Jungfische schließen sich oft zusammen, und manche Fischschwärme enthalten Individuen verschiedener Arten.

Hinsichtlich ihrer Ortstreue unterscheidet man zwischen so genannten Stand- und Wanderfischen (Diadrome). Viele Süßwasserarten fallen in die erste Kategorie; sie bleiben oft ihr Leben lang in ihrem Heimatgewässer, einem See oder einem begrenzten Bereich eines Fluss- bzw. Bachlaufes. Die einzelgängerischen Hechte haben sogar eigene Jagdreviere, die sie gegen Eindringlinge verteidigen. Im Gegensatz dazu unternehmen die diadromen Arten Wanderungen von teilweise beträchtlicher Länge zwischen Fress- und Laichgebieten. Dieser Ortswechsel wird bei geschlechtsreifen Tieren durch Hormone ausgelöst, die nicht selten auch Veränderungen in Körperbau oder äußerer Gestalt verursachen. Man unterscheidet Wanderungen zum Ablaichen im Süßwasser (Anadromie; z. B. Forellen und Lachse) von Laichwanderungen ins Meer (Katadromie; z. B. Aale). Manche meereslebenden Arten, wie Makrelen, suchen zum Ablaichen Flussmündungen auf, wandern jedoch nicht weiter flussaufwärts.

Fische spielen eine entscheidende Rolle in fast allen Nahrungsnetzen des Meeres und der Süßgewässer. Große räuberische Arten wie Haie, Thunfische, Hechte oder Zackenbarsche bilden die obersten Glieder ihrer jeweiligen Nahrungskette. Die meisten Fische nehmen allerdings mittlere Stufen ein, wo sie durch das Gleichgewicht aus „fressen und gefressen werden” oft ganze Ökosysteme zusammenhalten. Heringe etwa sind in vielen Meeren die Bindeglieder zwischen Plankton und Endgliedern wie Vögeln, Robben oder Walen, aber auch Menschen. Im ehemals größten Fischfanggebiet der Erde, den peruanisch-chilenischen Küstengewässern, bewirkte die Überfischung der Plankton fressenden Sardellen nicht nur das Zusammenbrechen der Fischereiwirtschaft, sondern auch die Abwanderung oder den Tod der von Sardellen lebenden Räuber, z. B. Seelöwen, Kormorane und Pelikane. Auch europäische Küstengewässer wie das Wattenmeer der Nordsee sind durch Überfischung bedroht. Der Mensch übernimmt so in vielen Lebensräumen die biologische Kontrolle der Fische.

Fischfang und Artenschutz

Etwa 100 Millionen Tonnen Fisch werden jedes Jahr vom Menschen gefangen. Fische sind eine der bedeutendsten tierischen Proteinquellen für den Menschen, und viele Arten dienen als Speisefische. Außerdem werden Fische und Fischreste bei der Herstellung von Stickstoffdüngemitteln und Tierfutter sowie die an Vitamin D reiche Fischleber zur Gewinnung von Öl genutzt. Fischschuppen werden manchmal zur Produktion künstlicher Perlen verwendet. Aus der Schwimmblase bestimmter Arten wird Hausenblase gewonnen, eine Art Gelatine, und aus Fischabfällen kann man Klebstoff herstellen.

Nach einer 2000 von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) vorgelegten Analyse sind weltweit zwei Drittel aller Fischarten vom Rückgang betroffen; 63 Arten sind als „vom Aussterben bedroht” einzustufen, darunter vier Arten von Meeresfischen. Insbesondere die marine Raubfischfauna weist gravierende Rückgänge auf: Seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, dem Beginn des industriellen Fischfangs, sind die Bestände u. a. von Thunfischen und Schwertfischen selbst in küstenfernen Meeresgebieten um bis zu 90 Prozent zurückgegangen (Nature, 2003). Wie die FAO 2007 berichtete, werden 52 Prozent der weltweiten Meeresfischbestände so intensiv ausgebeutet, dass eine Steigerung nicht möglich ist, weitere 25 Prozent sind bereits überfischt. In manchen Meeresgebieten, u. a. im Südostpazifik, dem Südostatlantik und dem Nordostatlantik einschließlich der Nordsee, liegt der Anteil der überfischten Bestände sogar bei 46 bis 66 Prozent. Meeresfische sind häufig mit TBT (Tributylzinnverbindungen) belastet, die Schiffsfarben zur Bekämpfung von Algenbewuchs und Muscheln beigemengt werden. Diese Organozinnverbindungen können beim Menschen Entwicklungs- und Hormonstörungen verursachen. Durch die Eutrophierung der Meere verursacht der Mensch so genannte Algenblüten, die u. a. mit Massenvermehrungen von Cyanobakterien und Dinoflagellaten einhergehen. Diese Mikroorganismen produzieren Giftstoffe, die sich in der Nahrungskette anreichern und Fischsterben, aber auch Fischvergiftungen beim Menschen verursachen können.

Seit mehr als 2 000 Jahren werden Fische vom Menschen gezüchtet. Fischzucht dient vorrangig der Gewinnung von Speisefischen wie Karpfen, Forellen oder Buntbarschen. Ebenfalls seit der Antike verbreitet ist die Zucht von Aquarienfischen wie dem Goldfisch und anderen farbenprächtigen Tieren meist tropischer Herkunft. In den letzten Jahrzehnten hat die Aquakultur von Fischen stark zugenommen; ihre Bedeutung für den Menschen steigt mit der wachsenden Ausbeutung der Wildfischbestände und beträgt etwa 10 Prozent des weltweiten Fischfangs. Fischzucht trägt allerdings zur Überfischung der Meere bei, da zur Erzeugung von einem Kilogramm Zuchtfisch zwei Kilogramm frei lebender Fische gefangen werden. Durch Fischfang wird ein Selektionsdruck ausgeübt, der vermutlich kleinere Individuen zur Folge hat: Nur kleinere Fische entkommen durch die Maschen und haben die Chance, sich fortzupflanzen (American Association for the Advancement of Science, 2002).

Systematische Einordnung

Fischarten werden von verschiedenen Zoologen unterschiedlichen Kategorien zugeordnet. Manche Klassifikationen sind ausgesprochen komplex und unterteilen die Fische in mehr als 100 Ordnungen und Unterordnungen. In einem weit verbreiteten System wird der Unterstamm Vertebrata (Wirbeltiere) in zwei Überklassen gegliedert: Agnatha (Kieferlose), zu denen die so genannten Fischartigen ohne Kiefer wie Neunaugen und Inger gehören, und Gnathostomata (Kiefermünder); hierzu gehören die Fische mit gelenkigen Kiefern. Neunaugen und Inger wurden bislang einer gemeinsamen Klasse Cyclostomata (Rundmäuler) zugeordnet, gelten heute aber meist als eigenständige Klassen Petromyzonta (Neunaugen) und Myxini (Inger). Die Gnathostomata werden weiter unterteilt in die Klasse Chondrichthyes (Knorpelfische wie Haie, Rochen und Chimären) und die Klasse Osteichthyes (Knochenfische). Die Knochenfische setzen sich aus der Unterklasse Sarcopterygii (Fleischflosser) und der Unterklasse Actinopterygii (Strahlenflosser) zusammen; Knochenfische sind allerdings keine monophyletische Gruppe (keine stammesgeschichtliche Einheit, siehe Systematik), da die Sarcopterygii mit den Vierfüßern ein Monophylum bilden. Die Fleischflosser bestehen aus den Ordnungen Crossopterygii (Quastenflosser) und Dipnoi (Lungenfische). Die Strahlenflosser bestehen aus den beiden Gruppen Chrondrostei (Knorpelganoiden), wozu der Stör gehört, und Neopterygii, die zehn Überordnungen umfasst: Ginglymodi (wozu die Knochenhechte gehören); Halecomorphi (Schlammfische); Elopomorpha (Aale, Grätenfische und Tarpune); Clupeomorpha (Sardellen, Heringe und Alsen); Osteoglossomorpha (Lachse, Hechte und Stinte); Ostariophysi (Arapaimas, Nilhechte und Mondaugen); Protacanthopterygii (Welse, Zitteraale, Karpfen und Beilbauchfische); Scopelomorpha (Laternenfische und Eidechsenfische); Paracanthopterygii (Dorsche, Seehechte und Krötenfische); und Acanthopterygii (Heringskönige, Barsche, Drachenköpfe, Seepferdchen, Mondfische, Thunfische, Plattfische, Zahnkärpflinge, Groppen und Schiffshalter).

Geprüft von:
Alexander Hofmann, Dipl.-Biol.; Autor für Encarta Kids
arbeitet als freier Autor und Journalist in München. Veröffentlichungen in den Themenbereichen Biologie, Umwelt und Sport.

„Fische,“ Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2007
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